Neue Zugänge zu Bewegung und Sport

31.10.2011 11:00- Informationsdienst Wissenschaft (IDW)
 

Einräder, Waveboards, Spaßwippen: Im Bewegungslabor der Sportwissenschaftler finden sich Geräte, die selbst sportliche Menschen vor eine Herausforderung stellen. An der Uni Würzburg lernen Sportstudierende und angehende Lehrer damit neue pädagogische Zugänge zu Bewegung, Spiel und Sport kennen.

Mit beiden Füßen rauf auf die Spaßwippe. Schnell glaubt man, dieses runde Brett, das nach zwei Seiten kippen kann, gleichgewichtsmäßig im Griff zu haben. Bis Sportwissenschaftler Thomas Kurth einen dazu auffordert, bunte Plastikbecher einzeln vom Boden aufzuheben und sie auf der Wippe zu stapeln. Denn beim Bücken zeigt sich, dass man die Wippe eben nicht beherrscht. Sie kippt zu stark, und schnell fallen die bereits gestapelten Becher auf den Boden der Sporthalle.

Knifflig gestaltet sich auch die Fortbewegung mit einem Fahrrad, das ein Gelenk im Rahmen hat und dadurch immer wieder in der Längsachse einknickt. Für Schwindelgefühle sorgt eine schräg gelagerte Holzscheibe: Sie beginnt sich rasant zu drehen, sobald man, mit beiden Füßen darauf stehend, seinen Körperschwerpunkt auch nur ein wenig verlagert. Außerdem sind da noch Waveboards – Skateboards mit einem Gelenk in der Mitte des Brettes – und viele andere Geräte im Bewegungslabor der Uni-Sportler.

Individuelle Zugänge zu Bewegung schaffen

„Mit diesen Sportgeräten kann man Kindern und Erwachsenen auf vielfältige Weise Zugang zu Bewegung und Sport verschaffen“, sagt Professor Harald Lange, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft. Wichtig sei das gerade im Schulunterricht, denn nicht alle Kinder wissen mit Fußball, Basketball oder anderen gängigen Sportarten etwas anzufangen.

„Jeden Schüler dort abholen, wo man ihn abholen kann“: Diese Leitlinie der Sportpädagogik gelte es in den Köpfen der Studierenden zu verankern, und dafür eigne sich das Bewegungslabor mit seinen unterschiedlichen Geräten sehr gut. Es biete die Chance, über den Tellerrand von Sportartenkonzept und Leistungsgedanken hinaus zu blicken – mit einfachen Mitteln: Indem man die Kinder unter pädagogischer Anleitung die Geräte ausprobieren und deren Vielfalt entdecken lässt.

Herkömmliche Sportarten neu zu thematisieren, auch das gehört zum Konzept des Bewegungslabors: „Zur Koordinationsschulung im Basketball können die Spieler zum Beispiel Pässe fangen und werfen, während sie auf einer Slackline stehen“, so Thomas Kurth, Koordinator des Bewegungslabors. Ebenfalls für wichtig hält es der Sportwissenschaftler, Trends aus dem Freizeitsport aufzugreifen und in die Lehrerbildung einfließen zu lassen. Darum finden sich im Bewegungslabor derzeit viele Geräte mit Rollen, denn Waveboards und andere Abwandlungen bekannter Rollgeräte seien groß im Kommen.

„Basisqualifikation Sport“ kommt gut an

Einblick ins Bewegungslabor bekommen Sportstudierende in Würzburg in ihren normalen Kursen. Spezielle Kurse gibt es zudem für Lehramtsstudierende, die nicht Sport studieren: Diese so genannte „Basisqualifikation Sport“ durchlaufen pro Semester rund 200 Studierende, die später zum Beispiel an Grund- oder Hauptschulen unterrichten wollen. Laut Kurth waren die Rückmeldungen nach den ersten Kursen durchweg positiv.

Begeistert von dem Konzept zeigten sich auch Gäste von der Technischen Universität Braunschweig. Ein Team von Professor Reiner Hildebrandt-Stramann tauschte sich Anfang Oktober im Sportinstitut am Judenbühlweg mit den Würzburgern darüber aus. Auch die Braunschweiger verfolgen kreative Konzepte in der Sportausbildung. Die dortige „Bewegungswerkstatt“ werden die Würzburger bald bei einem Gegenbesuch kennen lernen.

Kontakt

Prof. Dr. Harald Lange, Institut für Sportwissenschaft der Universität Würzburg,
T (0931) 31-80283,
harald.lange@uni-wuerzburg.de

Diplom-Sportwissenschaftler Thomas Kurth, T (0931) 31-83341,
thomas.kurth@uni-wuerzburg.de

 

 

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